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Kundalini Yoga
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Kundalini (Sanskrit, f., कुण्डलिनी, kuṇḍalinī, Shakti, eine Form der Devi, Kundalini-Schlange, Schlangenkraft) bezeichnet eine in tantrischen Schriften beschriebene ätherische Kraft im Menschen.
Der indische Subkontinent ist die reichhaltigste Wiege der Spiritualität auf unserem Planeten. Nirgendwo sonst gibt es so detaillierte, fundierte und so alte Erkenntnisse über Religion und Mensch wie in Indien. Im Westen ist davon sehr wenig bekannt, dass sich das Erziehungssystem im Wesentlichen auf die westliche Denkschule beschränkt. Das meiste aber, was an Esoterikwellen und Ähnlichem über uns schwappt, sind verdrehte Versionen der alten vedischen Schriften und Überlieferungen.
Findige Geschäftemacher passen alte Wahrheiten den vermeintlichen Bedürfnissen der modernen Gesellschaft an, und versuchen indische Spiritualität zu vermarkten. Da in der indischen Gesellschaft das alte Wissen noch immer tief verwurzelt ist und respektiert wird, stehen diese Geschäftsleute in Indien selbst auf verlorenem Posten. Die Schwierigkeit für uns Europäer ist, das Echte vom Falschen zu unterscheiden.
Die Lehre von der Kundalini war sehr lange Zeit geheimes Wissen, das nur zusammen mit der Selbstverwirklichung, dem Erwecken der Kundalini, weitergegeben wurde. Dies war die echte Meisternachfolge, eine Kette von Heiligen bzw. Gurus, die nicht durch einen leeren symbolischen Akt, sondern durch einen lebendigen Prozess fortgesetzt wurde.
In der Bhagavadgita wird die Kundalini kurz gestreift. Die Upanishaden behandeln das Thema teilweise. Der Seher Markandeya ist der erste, der (tausende Jahre vor Christi Geburt) das Schweigen bricht, und über die Kundalini berichtet. Allen diesen klassischen Werken der indischen Philosophie ist gemeinsam, dass sie schwer zu verstehen sind und das Wirken der Kundalini nur genau beschreiben.
Das ändert sich im dreizehnten Jahrhundert n.Chr. Um 1275 wird im Herzen Indiens, in Maharashtra, Jnanadeva (auch Jnaneshwar oder Dyaneshwar) geboren. Er gilt als einer der wichtigsten Heiligen Indiens, wenn er diese Welt auch schon in sehr jungen Jahren verließ, und mit 22 Jahren sein Samadhi nahm.
Da die Bhagavadgita in Sanskrit geschrieben war, fehlte der breiten Masse der direkte Zugang zum populärsten religiösen Werk der Hindus. Jnanadeva ließ sich dazu „überreden“, die Gita in Marathi zu erläutern. Dieses Werk, die Jnaneshwari, ist wesentlich voluminöser als die Bhagavadgita und enthält mehr Detailwissen. Man sagt, die Jnaneshwari lese sich wie ein Kommentar des Gottes selbst, der in der Gita wirkt (Vishnu = Krishna).
In Maharashtra wurde und wird Marathi gesprochen. Natürlich hat sich diese Sprache in siebenhundert Jahren seit Jnaneshwar verändert. Marathi ist eine reiche, vielschichtige Sprache, eine wahre Schatztruhe für Poeten, Dichter und die Verfasser religiöser Schriften. Die Bedeutung der Worte verändert sich je nach Kontext; subtile Metaphern und spirituelle Erklärungen können nur im Zusammenhang verstanden werden. Diese Sprache und das Land Maharashtra haben eine besondere Bedeutung im spirituellen Werden Indiens. Sita und Rama (die als Inkarnationen des Gottes Vishnu und seiner Gattin Laxmi verehrt werden) wandelten auf diesem Boden. Ekanath, Tukaram und viele andere bedeutende Rishis und Heilige hinterließen ihre Werke in Marathi.
Im sechsten Kapitel dieser Jnaneshwari wird die Kundalini und ihr Wirken beschrieben. Auch dieser Text ist nicht ohne weiteres zu verstehen: die Schriftgelehrten sind diesem schwierigen Kapitel siebenhundert Jahre lang ausgewichen und haben immer versucht, den Inhalt zu verschleiern. Vielleicht, weil sie dieses Kapitel mangels echter spiritueller Erfahrung selbst nicht verstehen konnten. - Der für uns wichtige Punkt: Die im Westen aufliegenden, hauptsächlich englischen Übersetzungen sind nicht korrekt. Sie dürften alle auf dieselbe Ur-Übersetzung zurückgreifen, da die Fehler auffallend ähnlich sind. Diese sprachlichen Irrtümer sind die Ursache für die verwirrenden Beschreibungen der Kundalini in der westlichen Welt. So besteht z.B. ein wesentlicher Übertragungsfehler darin, den Sitz der Kundalini in der Magengegend anzunehmen, wie das auch Avalon in seinem Buch (s. FN 1) anführt. Im Originaltext ist davon keine Rede.
Auch Shankaracharya (8. Jh. A.D.) sagt in der Saundarya-Lahari (vgl. oben) im zehnten Vers: „In der Form einer Schlange ruhst du in dreieinhalb Windungen in der Höhlung der Kulakundar“. Damit ist jener Knochen in Dreiecksform gemeint, auf den wir noch genau zu sprechen kommen werden. Schließlich ist wiederum auf die Devi Bhagawatam zu verweisen, wo in Buch XII, Kapitel 5, die Welten-Mutter (Adi Shakti) auch als die „Kundalini im Mooladhar“ beschrieben wird.
Daneben existiert noch der erwähnte Verständnisfehler: Am Ende des zehnten Untertitels von Kapitel sechs erklärt Krishna den Weg der wahren Yogis und sagt deutlich, dass dies der Weg der Selbstverwirklichung ist, wobei kein Zweifel bleibt, dass diese Selbstverwirklichung von Gott gegeben wird. Als Arjuna nach diesem Wissen drängt, sagt Krishna (elfter Untertitel, erster Satz): „Ich erkläre es dir nun, doch nur durch die Erfahrung wird es einen Sinn bekommen". Damit ist klar, dass ein rein mentale Auseinandersetzung mit der Kundalini zwecklos ist, wenn die Erfahrung der Selbstverwirklichung fehlt. Die mangelhaften Übersetzungen bestätigen die Worte Jnanadevas.
Nach dieser Einführung folgt die Beschreibung des Asanas, der Sitzhaltung, welche für die Erweckung der Kundalini vorteilhaft ist. Die Erweckung selbst kann nur von einer Person vorgenommen werden, die dazu autorisiert ist. Bei der Beschreibung des Asanas wird mehrmals vom „festen Sitz“ gesprochen, der mit dem untersten Chakra (Mooladhara-Chakra) identisch ist. Dieses liegt an der Wurzel des Rumpfes und bewacht die im Kreuzbein (Mooladhar) schlafende Kundalini. Eine Schwäche dieses untersten Chakras, das die Qualitäten von Unschuld und Weisheit beherbergt, bewirkt Schwierigkeiten beim dauerhaften Wirken der Kundalini, da es deren Stütze ist. Das Asana solI es der Aufmerksamkeit erleichtern, sich von körperlichen Vorgängen zu lösen. Später, im dreizehnten Untertitel, wird erwähnt, dass die Handflächen nach oben weisen sollten, was für die Wahrnehmung der Kundalini-Energie wichtig sein wird.
Es besteht ein Unterschied zwischen dem Mooladhara-Chakra und dem darüber liegenden Mooladhar (Kreuzbein), dem dreiecksförmigen Knochen unmittelbar am Ende der Wirbelsäule. Bei der Erweckung der Kundalini kann die pulsierende Kraft manchmal mit freiem Auge im Kreuzbein wahrgenommen werden. Das ist der beste Beweis für den wirklichen Sitz der Kundalini; alle anderen Zuweisungen entsprechen nicht der Realität.
An der Basis der Wirbelsäule liegend, steigt sie durch den "mittleren Kanal" (Sushumna) auf, der physiologisch eine Entsprechung im canalis centralis in der grauen Substanz des Rückenmarks findet. Der medizinische Terminus für das Kreuzbein ist os sacrum, heiliger Knochen, von den Römern in direkter Übersetzung aus dem Griechischen übernommen. Der besondere Status des os sacrum war in der Antike auch im Westen bekannt. Von den alten Ägyptern wissen wir, dass sie das Kreuzbein ebenfalls als einen heiligen dem Gott Osiris zugehörigen Knochen betrachteten.
In einem Artikel des "Journal of the American Medical Association" (JAMA) von 1987 heißt es: "Die Vorstellung, dass das sacrum der letzte Knochen des Körpers ist, der nach dem Tode zerfällt, und, deshalb, für die Wiederauferstehung notwendig ist, könnte es als heilig qualifizieren. Der erste biblische Hinweis, dass ein einzelner Knochen für die Wiederauferstehung gebraucht werden könnte, ist unter den Psalmen, 34:21, zu finden: „Der Herr bewahrt alle ihre Gebeine, eines davon wird nicht zerbrochen werden…-". Diese Vorstellung der Wiederauferstehung oder zweiten Geburt ist in irgendeiner Form in allen Religionen präsent.
Der vierzehnte Untertitel in Kapitel 6 der Jnaneshwari, eine Offenbarung für jeden, der das Wirken der Kundalini spüren kann, erweist sich in der Übersetzung schlicht als Katastrophe. Dem Wissen fehlt ohne Erfahrung der Zusammenhang. Wir greifen einige wichtige Aspekte heraus, um dies zu untermauern. Die Übersetzung des Marathi Wortes "Tap" als "Hitze", die das Erwachen der Kundalini verursache, ist im Zusammenhang gesehen unrichtig. "Tap" bedeutet hier "Kraft", die aus der Übung des Asanas kommt und die die Erweckung ermöglicht, aber nicht bewirkt. Die Aktivierung der Kundalini ist ein Vorgang jenseits menschlichen Willens und Handelns.
In weiterer Folge wurde in den Übersetzungen durch ein Verkennen von subtiler Nuancen aus der Mutter Kundalini ein Ungeheuer, das gierig die Eingeweide verschlingt - dort wo in subtiler Bildersprache die Kraft beschrieben wird, die begierig ist, die zweite Geburt zu geben, den ganzen Körper zu durchdringen und zu erneuern. Der Körper und seine Organe, jede Zelle bis zu den Haarwurzeln wird von der Kundalini erfasst und gereinigt. Dieser Vorgang wird bei Jnanadeva im Detail beschrieben. Auch wird das Wirken der verschiedenen Atemkräfte in Zusammenhang mit der Kundalini dargestellt, und vieles mehr. Es gibt heute sicher keinen Menschen, der die Kundalini in seinem Körper und in seinem subtilen System so genau beobachten und verstehen könnte wie dieser große Heilige.
Die Jnaneshwari fährt fort mit dem Vorgang nach der Reinigung der subtilen Zentren: Die Kundalini bleibt im mittleren (Sushumna) von drei feinstofflichen Kanälen und ergießt "Wasser, das zu Nektar wird, aus ihrem Munde". Dieses wiederum bringt einen "Lebenswind" hervor, "der eine kühle/kühlende Empfindung am und im Körper erzeugt". Diese kühle Brise kann am besten in den nach oben gerichteten Handflächen und über dem Scheitel (Sahasrara-Chakra) verspürt werden.
Diese Wahrnehmung der Kühle ist auch in der Koran-Sure 36,65 beschrieben: "Eines Tages werden wir ihren Mund versiegeln und ihre Hände werden zu uns sprechen." Diese Sure, genannt "das Herz des Koran", ist überschrieben mit den Buchstaben „JS". Die Hände sprechen, indem jeder Finger, die Handwurzel und die Handinnenfläche je einem Chakra entsprechen. So kann durch die Art der Empfindung auf der Hand auf den Zustand der entsprechenden Chakras geschlossen werden. Es gibt im Koran auch noch weitere Hinweise auf die Wahrnehmung der Wirkung der Kundalini, so in Sure 24, 24, oder Sure 41, 21 ff.
24, oder Sure 41, 21 ff. Diese spürbare Energie existiert nicht erst nach der Erweckung der Kundalini. Es ist dieselbe göttliche Kraft, die die Kundalini im Menschen individuell erwachen lässt. So wie Jnaneshwar das Bild des "Wassers" oder "Lebenswindes" verwendet, finden wir die Kundalini und ihre Wirkungen also auch bei anderen großen Propheten beschrieben.
Im Johannesevangelium, 4, beschreibt Jesus an einem Brunnen diesen Vorgang einer Samariterin: "Wenn du die Gabe Gottes erkennen könntest, und wer der ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken! So würdest du ihn etwas gebeten haben und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. ... Jeder, der von diesem (gewöhnlichen) Wasser trinkt, den dürstet wieder; wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zur Wasserquelle, die ins ewige Leben fortströmt." -
Die Vollendung der Aufgabe der Kundalini schildert Jnanadeva in schönster Marathi-Poesie. Die Haut ist nur mehr eine Hülle, im Inneren befindet sich das strahlende Wesen der siebzehnten Mondphase. Der Vollmond, die sechzehnte Mondphase, bedeutet die Erfüllung. Lediglich Sadashiva steht darüber, im erleuchteten Sahasrara.
Aus den alten Schriften lässt sich eine Strukturierung des inneren Systems erkennen, die in Indien heute noch geläufig ist (vgl. die Abbildung; die Chakras und die ihnen entsprechenden Finger bzw. Stellen der Hand tragen jeweils die gleichen Ziffern).
Zuunterst der vierblättrige Lotus, das Mooladhara-Chakra. In ihm residiert der Wächter der Kundalini, der Weisheit und Unschuld verkörpert. Die Kundalini befindet sich über diesem Zentrum im os sacrum, kann also bei ihrem Aufstieg gar nicht durch das darunter liegende Chakra gehen. Versucht man aber, die Kundalini zu erwecken, ohne dazu autorisiert zu sein, sendet der Wächter der Kundalini im Zorn Wellen von Hitze durch den Körper. Häufig werden diese Hitzewellen fälschlich als Erwachen der Kundalini gedeutet, es ist aber das Gegenteil.
Jnanadeva sagt klar und deutlich, dass Kühle die Empfindung der aufsteigenden Kundalini ist. Jede falsche, unerlaubte Berührung des Kundalini-Prinzips führt zu einer Beschädigung, die eine spätere Erweckung erschwert. Nur wenn der Prozess von einer dazu berechtigten Person ausgelöst wird, führt er zur Erfüllung. Die Kundalini als intelligente und mütterliche Kraft fügt niemals einen Schaden zu. Selbst, wenn sie physische Krankheiten heilt, entstehen nicht mehr Unannehmlichkeiten als sonst im Krankheitsfall. Alle unkontrollierbaren und schmerzhaften Erfahrungen sollte man als ernste Warnung ansehen, falsche Techniken oder Übungen aufzugeben. - Das Gesamtbild des inneren, feinstofflichen Systems des Menschen, wie nicht nur bei Jnaneshwara beschrieben, lässt sich durch die praktische Erfahrung verifizieren.
Im Zusammenhang mit dem erwähnten Mooladhara-Chakra muss deutlich gesagt werden, dass Sexualität grundsätzlich mit der Kundalini und ihrem Wirken nichts zu tun hat. Eine unnatürliche, übermäßige Fixierung der Aufmerksamkeit auf Sexualität schwächt jedoch dieses unterste Chakra. Ebenso erschweren Probleme in den anderen, darüber liegenden Zentren (Chakras) den Aufstieg der Kundalini. - Das grundlegende Prinzip der Moral, des Dharma des Yogis ist die Unabhängigkeit von jeglichen Begierden, auch den sexuellen. Dies ist in jedem genuinen religiösen Text, nicht nur Indiens, zu entnehmen. Es bedeutet jedoch weder Kasteiung oder Zölibat. Man kann durchaus ein normales Eheleben führen, sollte aber nicht einmal in Gedanken irgendwelchen Versuchungen erliegen. (vgl. die Worte Jesu', bei FN 11). Die Vermarktung des weiblichen Körpers und die Instabilität der Beziehungen zwischen Mann und Frau im Westen schaffen natürlich die denkbar ungünstigsten Bedingungen für spirituelles Wachstum.
Wie oben in Shankaracharyas Gedicht beschrieben und in Indien allgemein bekannt, durchdringt die Kundalini auf ihrem Weg ins Sahasrara-Chakra nacheinander das Nabhi-, Swadisthana-, Anahata-, Visshuddhi- und Agnya-Chakra. Das Swadisthana-Chakra kreist um das Nabhi-Chakra und erzeugt dabei einen Bereich (in der Abbildung als Kreis in der Bauchgegend dargestellt), der das Guru- und das Schülerprinzip repräsentiert.
Sobald die Kundalini das Agnya-Chakra auf der Stirn durchdringt, stellt sich Nirvichara-Samadhi ein, gedankenfreies Bewusstsein. Erst damit kann man von einer gewissen Erfahrung sprechen, die ein tieferes Verständnis z.B. eben der Jnaneshwari erlaubt. Nirvichara-Samadhi ist wie alle Bewegungen der Kundalini spontan. Durch Willenskraft kann Samadhi nicht erzielt werden. Daher ist auch die Vorstellung, durch Konzentrationsanstrengungen echten spirituellen Fortschritt zu erlangen, leider nur ein gedankliches Konzept. In weiterer Folge werden die beiden subtilen Kanäle links und rechts vom mittleren Kanal erleuchtet. Der linke Ida-Nadi steht für Emotionen, Konditionierungen und die Vergangenheit, der rechte Pingala-Nadi für jede Art der Aktivität und für die Zukunft.
Der ganze Vorgang korreliert physisch mit dem parasympathischen System, ist daher bewusst nicht steuerbar. Das echte Erwachen der Kundalini ist von keinerlei unkontrollierbaren Zuständen begleitet. Es stellt sich die Empfindung tiefen Friedens und tiefer Freude ein, auf den Handflächen und am Scheitel spürt man eine kühle Brise. Wenn die subtilen Zentren, die Chakras, sehr beschädigt sind, reduziert sich die Wahrnehmung der Kundalini entsprechend. Parallel zum Prozess der sukzessiven Reinigung der inneren Zentren werden tiefe Meditationserfahrungen möglich, die auch im täglichen Leben nachwirken und dieses positiv verändern.
Nur wer in der Lage ist, die Kundalini zu erwecken, so dass die bei Jnanadeva und anderen Meistern beschriebenen Effekte eintreten, sodass das Wasser des Lebens fliesst, darf als echter Guru in der besten Tradition der großen indischen Lehrer bezeichnet werden.
Die Kundalini-Kraft
Nach der tantrischen Lehre wohnt in jedem Menschen eine Kraft, die Kundalini genannt wird. Diese befindet sich ruhend am unteren Ende der Wirbelsäule und wird symbolisch als eine im untersten Chakra schlafende zusammengerollte Schlange (Sanskrit: kundala „gerollt, gewunden'“) dargestellt. Sie ist die der Materie nächststehende Kraft im Menschen. Durch yogische Praktiken kann sie erweckt werden und steigt dann auf, wobei die transformierenden Hauptenergiezentren oder Chakren durchstoßen werden (Satchakrabedha „Sechschakrendurchstechen“). Erreicht sie das oberste Chakra, vereinigt sie sich mit der kosmischen Seele und der Mensch erlangt höchstes Glück. Erst hier vereinigt sie sich in ihrer transformierten Form mit den kosmisch-spirituellen Kräften. Da das Aufsteigen der Energie nach den klassischen Lehren auch Gefahren in sich birgt, sind eine gute Vorbereitung und ein innerer Reinigungsprozess entscheidend, weshalb viele Schulen zuerst das Herzzentrum entwickeln. In Begleitung eines Menschen, der die Kundalini-Kraft bewusst lenken kann, werden mögliche Begleiterscheinungen des Prozesses, wie Visionen oder Erfahrungen in der Astralwelt, verständlich. Es gibt immer wieder Fälle von „spontanem Erwachen“ der Kundalini. In solchen Fällen sind die betroffenen Personen häufig völlig im Unklaren darüber, was mit ihnen geschieht, da im westlichen Kulturkreis über diesen Themenkomplex wenig fundiertes Wissen verbreitet ist oder auch das Vorhandensein einer solchen Energie verneint wird. In diesem Zustand ist es möglich, Stimmen zu hören oder intensive Visionen zu erleben. Aus Sicht von Menschen, die an die Kundalini glauben, wäre es wünschenswert, Menschen mit diesen Symptomen, die sich in psychiatrische Behandlung begeben, auf eine Kundalini-Erfahrung hin zu prüfen und gegebenenfalls den richtigen Umgang mit dem Energiefluss zu lehren. Das einfachste Beispiel für spontanes Erwachen sind Fieberschübe, bei denen im Innern, entlang der Wirbelsäule große Wärme spürbar wird.
Außerdem gibt es auch Vertreter der westlichen Psychologie, die sich mit dem Kundalini-Phänomen beschäftigen, allen voran der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung.
Verschiedene Quellen vergleichen die Kundalini-Schlange versuchsweise mit dem griechischen Schlangenstab des Äskulap oder der mexikanischen Federschlange Quetzalcoatl.
Die Moderne (ab etwa 1970) setzt Kundalini und Bioenergie gleich und zeigt, dass Kundalini in fast allen Kulturen der Erde (besonders in schamanischen, religiösen oder spirituellen Kreisen) bekannt ist, wenn auch unter verschiedenen Namen und mit unterschiedlicher Interpretation. Danach sind Kundalini, Bioenergie, Quamaneq (bei den Eskimos), N/um (bei den Einwohnern der Kalahari Wüste), Chi (im Osten) alles nur andere Worte für dieselbe bioenergetische Realität.
Der Kundalini-Prozess
Um diese „physopsychische“ ätherische Energie zu aktivieren, wurden mehrere Methoden entwickelt, wie Kundalini-Yoga oder Reiki. In einer ersten Stufe versucht der Adept Lebensweise, Ernährung, Verhalten und Charakter mittels Meditation und ähnlicher Praktiken zu schulen und zu reinigen, die je nach Tradition sehr unterschiedlich sein können. Manchmal kündet das Höhere Selbst mittels Träumen das Erwachen der Kundalini an. Das Sich-Regen der zuvor schlafenden Kundalini führt zu erhöhter Körpertemperatur, die aber nicht mit hohem Fieber zu vergleichen ist. Einmal aktiviert, entwickelt der Kundalini-Prozess eine gewisse Eigendynamik, die zu Steuern durch weiteres sorgfältiges Training gelernt werden muss. In der Regel hat der Prozess starke Auswirkungen auf die Befindlichkeit der betreffenden Person und kann selbst zu unangenehmen und unerwünschten Nebeneffekten führen.
Das Aufsteigen der Kundalini folgt in der Regel stufenweise und sie kann sich sogar wieder zurückziehen, wird das dritte Energiezentrum in der Nabelgegend nicht erreicht. Nur selten steigt sie bis zum Kronenchakra, wo sich nach tantrischer Auffassung das „reine Bewusstsein“ (bzw. Shiva) befindet. Dann beginnt nach Auffassung einiger Richtungen der eigentliche Kundaliniprozess, der als ein Wechsel von aufsteigendem, warmen und absteigendem, kühlen Energiefluss beschrieben wird.
Die verschiedensten Yoga-Richtungen befassen sich mit dem Thema Kundalini. Die meisten Yoga-Asanas dienen allerdings nicht direkt der Erweckung der Kundalini. Manche Yoga-Schulen beschäftigen sich ausdrücklich mit der Kundalini und wollen mit ihren Übungen den Körper auf den heiklen Prozess der emporsteigenden Kundalini vorbereiten. Dabei wird darauf geachtet, dass die Chakren gereinigt und „durchlässig“ werden, damit die Kundalini ungehindert aufsteigen kann.
Beispiele verschiedener Yoga-Richtungen
Beim Kundalini-Yoga ist schon am Namen der starke Bezug auf die Kundalini-Kraft erkennbar. Wie beim Yoga insgesamt gibt es auch innerhalb des Kundalini-Yoga wiederum unterschiedliche Schulen oder Richtungen. Typisch für die Yoga-Praxis der von Yogi Bhajan im Westen bekannt gemachten Richtung sind körperlich fordernde Übungen mit schnellen Bewegungsabläufen, kombiniert mit Ruhephasen und Meditation.
Auch im Kriya Yoga werden bestimmte Übungen zur Erweckung und Chakras und die sogenannten Kriyas (Reinigungsübungen) gelehrt. Sie sollen der Vorbereitung des Körpers und der systematischen Erweckung der Kundalini dienen. Im Sahaja Yoga soll die Kundalini spontan und sanft erweckt werden.
Auch diverse Reiki-Schulen und Wege beschäftigen sich direkt oder indirekt mit der Erweckung der Kundalini-Kraft und wie sich ein Mensch hierauf vorbereiten kann bzw. wie er mit dieser Kraft umgeht, beispielsweise das Kundalini-Reiki. Im Gegensatz zum Yoga haben diese Praktiken jedoch einen stärkeren mentalen und meditativen Anteil, Reiki ist weniger stark als Yoga auf Bewegungsabläufe und Atemtechniken hin orientiert.
Das Kundalini-Syndrom
Als Begleiterscheinung der aufsteigenden Kundalini werden körperliche Auswirkungen beschrieben, die durch den heftigen Energiefluss verursacht werden sollen. Zu ihnen gehören Hitzewallungen, d.h. ein Gefühl anflutender Wärme, Kälteschübe, Zuckungen (unwillkürliches Schütteln, Zittern, plötzliche Nickbewegungen des Kopfes), chronische und zeitweilige Schmerzen im ganzen Körper, die sich diagnostisch schwer erfassen lassen, Stechen (wie ein Biss) im großen Zeh und am ganzen Leib, Taubheitsgefühl der Hände und Füße, Schwankungen des Sexualtriebs, plötzliche Lautäußerungen (Lachen, Weinen), ekstatische Glückseligkeit, innere Bilder und Visionen [6].
Normalerweise sei ein Kundalini-Aufstieg ein sich selbst regulierender Prozess, jedoch wird für Krisen und ungewöhnlich heftige Entwicklungen eine Begleitung oder Beratung durch erfahrene Lehrer/ Kundalini-Therapeuten empfohlen. Langzeitmeditierende, insbesondere Zen-Schüler, berichten häufig von einem plötzlich einsetzenden, subjektiv als „Überhitzung“ empfundenen Syndrom. Wenn das Syndrom länger anhält, kann es ohne Konsultation qualifizierter Hilfe zu länger andauernden körperlichen Beeinträchtigungen führen. Obwohl sich Zen-Buddhisten von anderen Traditionen abgrenzen, suchen sie beim Überhitzungs-Syndrom häufig fachlichen Rat z. B. bei Daoisten (taoistischen Priestern), um die spontan aktivierte Kundalini-Energie wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Die Kundalini selbst bereite keine Schmerzen – es seien die Blockaden, die Schmerzen verursachen. Negativ empfundene Auswirkungen der Kundalini-Kraft seien in diesem Zusammenhang als Beitrag zur Reinigung des Körpers und der Seele zu sehen.
Das körperliche Symptom der „Erhitzung“ wird von einigen Schulen des tibetischen Buddhismus durch bestimmte Techniken gezielt hervorgerufen. Eine klassische Methode, das Tummo, besteht darin, im Winter in Eiswasser getränkte Wolldecken auf dem nackten Körper zu trocknen. Auf diese Weise soll die Beherrschung der Körpertemperatur unter extremen Bedingungen geübt werden. Die bei traditionellen fernöstlichen Lehrer/innen sehr beliebten extremen Praktiken zur Kontrolle von Körperfunktionen werden heute nur noch fortgeschrittenen Schülern empfohlen – sie sind jedoch keine Voraussetzung für das Erwecken der Kundalini.
Mantras
Kundalini-Yoga und Mantrameditation werden oft miteinander kombiniert. Die Rezitation eines Mantras soll das Bewusstsein von Ablenkungen durch die Umgebung frei halten. Manchmal wird es als Ziel der Meditation verstanden, den „inneren Dialog“ – die ständige Beschäftigung mit der Frage, was wir tun sollten oder nicht – zu beenden, um innerlich zur Ruhe zu kommen.
Hinsichtlich der Bedeutung einzelner Mantras – und der Meditation selbst – gibt es mehrere Interpretationen, die sich auf unterschiedliche Ebenen beziehen (die spirituelle Ebene, die körperlich-weltliche, die „feinstofflich-weltliche“ usw.). Viele Zen-Praktizierende verwenden Mantras als technisches Hilfsmittel, lehnen Bedeutungszuweisungen aber grundsätzlich ab.
Außerdem wird die Auffassung vertreten, dass Mantras durch ihren Klang, d.h. durch ihre Schwingungen, bestimmte förderliche Wirkungen auf Kundalini und somit auch den Gehirnaktivitäten (Gehirnwellen) haben. Die Keimsilben und ihre harmonisch melodische wechselnden Schwingungen, geben demnach einen Hinweis auf die intendierte energetische Wirkung.
Ein bekanntes Mantra im Kundalini-Yoga ist „Sat nam“. Die Silben stammen aus dem Sanskrit und drücken aus: Sat = Das Sein und Nam = der Name, der Prozess des Erkennens. „Sat nam“ bedeutet außerdem in der Sprache Hindi „Sieben Namen“. Das ist eine Anspielung auf die Lehre von den 7 Hauptchakras. „Sat nam“ lässt sich insofern als Aufforderung verstehen, sich auf die eigene, innere Energie zu besinnen. Der Gayatri-Matra wird eine ähnliche Wirkung nachgeschrieben.
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Westliche Mysterien
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Neben Yoga sind auch die Lehren und Symbolmodelle der westlichen Tradition bedeutsam. Das Erlernen derselben muss allerdings langsam und in logischem Aufbau erfolgen. Wer sich unvorbereitet oder zu schnell der anderen Realität öffnet, setzt sich ungeschützt zu starken, aber auch zerstörerischen Kräften aus, die außerhalb seiner selbst liegen.
Seit mehr als 15 Jahren lerne ich aus der westlichen Tradition. In meinem Yoga - Unterricht lehre ich keine westlichen Techniken, da für das Studium viel Zeit und Geduld notwendig ist sowie eine geeignete Schule, welche die nötigen Einweihungen vermitteln kann. Ich nehme allerdings Bezug auf wesentliche Grundlagen, was für den Unterricht einmalig sein dürfte.
DIE VIER ELEMENTE DES MENSCHEN
Die Vier Elemente: Erde, Luft, Wasser und Feuer sind Grundkonstanten des Menschen. Sie sind Symbole und können in diesem Sinne als Körper, Intellekt, Bewußtsein und Gefühl verstanden werden.
Gelingt es dem Menschen, die Vier Elemente in sich in eine harmonische Ordnung zu bringen, so offenbart sich das Fünfte Element, die sogenannte Quintessenz oder "quinta essentia". Erst durch das Fünfte Element wird der Mensch zu dem, was er eigentlich sein sollte.
Weitere Lehrinhalte der westlichen Tradition:
* Geschichte der westlichen Tradition * Bewußtsein: Funktion, Tätigkeit und seine Phasen * Wahrnehmung von Raum und Zeit * Körper, Geist und Seele * Symbolik * psychische Zentren gefahrlos entwickeln * die psychische Projektion * Gesundheit, sich gesund erhalten * Aura * Abstimmung mit den kosmischen Kräften * Darstellungen zur Reinkamation und zum Gesetz vom Karma * Meditation und Kontemplation * Visualisation, Imagination und Konzentration * die Seinslehre, Ontologie * das Gesetz der Bildung der Materie, ihre Bestandteile, ihre Formen * Bewußtsein und seine Dualität * Wirklichkeit und Illusion * die Lebenskraft * philosophische Entwicklung des Menschen und sein Gottesbild * Selbstheilung * der psychische Körper * die Seele und ihre Manifestationen * Erreichung höheren Bewußtseins * Die hebräischen Buchstaben * Die höhere Astrologie * Der esoterische Tarot
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